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Donnerstag, 08.08.1996
Gegen 8:45 Uhr müssen wir feststellen, dass sich das Wetter nochmals verschlechtert hat: seit 12 Stunden prasselnder Dauerregen mit Sturmböen; die Zelte stehen erstaunlicherweise noch, weichen aber langsam durch (die Nähte sind offenbar undicht). Was uns dabei so durch den Kopf gegangen ist? Bitte sehr:
- Frank (Tagebucheintrag): “Der Schlafsack wärmt auch, wenn er nass ist.”
- Maudi: “Es könnt’ ja mal aufhören.”
- Chicco: “Nur gut, dass mein Wassersack schlafabweisend ist.”
- Bubi: “…”
- Maudi (etwas später): “Ich will heim!”
Nach dem recht zögerlichen Aufstehen und verregneten Frühstück (das man laut Maudi gar nicht als solches bezeichnen konnte!?!) nahmen wir dann ein etwa einstündiges Bad in der heißen Quelle von Landmannalaugar, das bei der nasskalten Umgebung besonders angenehm war und uns für die Kälte voll entschädigte. Danach packten wir zusammen und legten bei extremem Wind die Zelte ein, was dem Gestänge von Maudis Zelt allerdings nicht gut bekam…
Um 14:30 Uhr fuhr der Bus ab nach Skaftafell, unserem nächsten Ziel. Die Hochlandpiste führte erneut durch zahlreiche Flüsse, Wolken, weite Täler und über moosbedeckte, schwarzgrüne Hügel. Der isländische Fahrer, der die Strecke zweifellos gut kannte, befuhr die kaum ausgebaute Schotterpiste mit einer bemerkenswerten Geschwindigkeit (“Achterbahnfahrt”). Um 16:20 Uhr hielt der Bus an der berühmten Eldgjá-Schlucht. Eine viertelstündige Wanderung führte uns zum Ófærufoss, über den früher eine Naturbrücke führte, die allerdings vor ein paar Jahren eingestürzt ist.
Etwa 20 km vor dem Ort Kirkjubæjarklaustur kamen wir wieder auf die gut ausgebaute Ringstraße, womit die Achterbahnfahrt für diesen Tag beendet war. Mittlerweile hatte sich das Wetter (und unsere Stimmung) deutlich gebessert und wir hatten Gelegenheit, kurz vor Skaftafell die Gletscherzunge des Skaftafellsjökull durch die Windschutzscheibe zu betrachten. Um 20:00 Uhr kamen wir am Campingplatz von Skaftafell, am Fuße von Europas größtem Gletscher, dem Vatnajökull, an. Der Campingplatz ist sehr komfortabel ausgestattet (warme Duschen, ein Laden, Cafeteria, Telefonzelle etc.) und erhält einen besonderen Reiz durch die überragende Kulisse (Blick auf den Gletscher). Das Telefon wies einen sympathischen Defekt auf, so dass Frank mit einem 50-Kronen-Stück etwa eine halbe Stunde nach Deutschland telefonieren konnte.
Das gute Wetter, der Campingplatz und vielleicht auch das plötzliche Vorhandensein von geradezu reichhaltiger Vegetation (Bäume!) sorgten in Skaftafell für anhaltend gute Stimmung.





