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Sonntag, 18.08.1996

Um 11:00 Uhr besuchten wir einen Gottesdienst mit Taufe in der evangelisch-lutherischen Kirche von Akureyri, dem schönsten Gebäude der Stadt. Wir verstanden zwar so gut wie nichts, doch der Segen des Pfarrers, der aufgrund unserer typischen “Touristenkleidung” (Wanderschuhe, Fleece-Pullover etc.) sofort erkannt hatte, dass wir keine Einheimischen waren, wurde uns trotzdem zuteil. Ein Isländer ohne Schuhe und Strümpfe nutzte den Gottesdienst zum Schlafen, indem er sich ungeniert auf eine der hinteren Bänke legte. Rechtzeitig zum Ende war er aber wieder fit.

Nach dem Mittagessen beschäftigten wir uns mit der Planung für die restlichen Tage und entschieden, einen Tag länger als ursprünglich gedacht in Akureyri zu bleiben. Am Nachmittag bummelten wir durch die Stadt, besuchten das kleine Naturhistorische Museum und den Botanischen Garten, in dem angeblich alle in Island vorkommenden Pflanzenarten (so extrem viele sind das nicht) zu sehen sein sollen.

Das Abendessen im Hótel Kea (Lachs) war eine herbe Enttäuschung: Das teure Mahl wurde zwar von allen (außer Maudi) als gut bezeichnet, jedoch wäre etwa die drei- bis vierfache Menge erforderlich gewesen, um einigermaßen satt zu werden. Zitat Maudi beim Verlassen des Restaurants: “Und wo gibt’s jetzt die Hamburger?” Die bekamen wir dann in einer nahegelegenen Imbissbude. Anschließend schauten wir den isländischen Jugendlichen erneut eine Zeitlang beim Rundendrehen zu (gleiches Bild wie am Vortag).

Im Kino trafen wir eine nette Isländerin, die einige Zeit in Deutschland gelebt hatte und deshalb ziemlich gut Deutsch sprach. Das merkten wir allerdings erst, nachdem wir bereits eine Viertelstunde lang um englische Vokabeln gerungen hatten. Wir sprachen sie auch auf das doch recht seltsame Verhalten ihrer Altersgenossen an, worauf sie zugab, dass dies “stupid” sei. Aber “wir machen das alle, ich weiß auch nicht warum…”

Den überraschenden Höhepunkt des Tages stellte allerdings ein Phänomen dar, das sich in dieser Nacht am Himmel über Akureyri abspielte: grünliche, gardinenartige Schleier von erstaunlicher Helligkeit, deren Form und Intensität sich ständig veränderte: Polarlichter. Sie entstehen durch Wechselwirkung geladener Teilchen des Sonnenwindes mit dem Magnetfeld der Erde. Die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes bewirkt, dass Polarlichter nur in der Nähe der Pole, also entweder weit im Norden oder im Süden entstehen können. Nähert man sich dem Äquator, wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Polarlichtern immer geringer. In Island scheinen Polarlichter ein alltägliches und recht häufig zu beobachtendes Phänomen zu sein, das von den Leuten dort kaum noch beachtet wird.

Das Wetter: weiterhin klar (tagsüber warm, nachts kalt).

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