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Donnerstag, 15.08.1996

Dettifoss

Die “Dettifoss Classical Tour” führte uns an diesem Tag vom Mývatn-See aus nach Norden. Abfahrt war um 8:30 Uhr am Hotel Reynihlíð und unsere erste Station markierte gleich den Höhepunkt: Der Dettifoss — Europas mächtigster Wasserfall (Fallhöhe 44 m, Wassermenge ca. 200 t pro Sekunde) — bot ein gewaltiges Naturschauspiel, das mit Worten einfach nicht zulänglich beschrieben werden kann (Tagebucheintrag: “… überwältigend, imposant, berauschend: geil war’s!”). Auf manchen Postkarten unterscheidet sich der Wasserfall von unseren eigenen Aufnahmen beträchtlich was Wasserqualität und -menge angeht. Sie sind wohl zu einer anderen Jahreszeit aufgenommen worden, als große Mengen zusätzlichen Schmelzwassers des Vatnajökull den Fluss Jökulsá á Fjöllum nicht — wie bei uns — anschwellen ließen und dadurch bräunlich verfärbten. Auf ihrem Weg weiter nach Norden hat die Jökulsá einen kleinen Canyon geschaffen, der — laut Maudis Reiseführer — auch bei schlechtem Wetter gut aussehen soll.

Der “Echofelsen” Hljóðaklettar ist ein Stück weiter flussabwärts zu finden. Er reflektiert das Rauschen der Jökulsá auf effektvolle Weise. Interessant an den Felsen sind die kreuz und quer in alle Richtungen verlaufenden, z.T. sogar gebogenen Basaltsäulen. Diese Unregelmäßigkeit der Basaltsäulen von Hljóðarklettar steht in krassem Gegensatz zu den ausgesprochen regelmäßigen Formen am Svartifoss. Unserer Führerin zufolge ergeben sich die Unterschiede aus verschiedenen Temperaturbedingungen während des Erstarrens der Lava.

Wir folgten von Hljóðaklettar aus der Jökulsá weiter nach Norden und erreichten schließlich Ásbyrgi, ein hufeisenförmiges Tal mit reicher Vegetation und Vögeln, das von senkrecht aufsteigenden Felswänden eingerahmt wird. Der isländischen Mythologie zufolge soll hier Sleipnir — Odins achtbeiniges Pferd — auf der Flucht vor Verfolgern einen Hufabdruck hinterlassen haben.

Von Ásbyrgi aus fuhren wir nach Nordwesten, an der Küste der Tjörnes-Halbinsel entlang und hielten dann in Húsavík, der letzten Station unserer heutigen Rundfahrt. Húsavík zählt zu den größeren Orten in Island und ist ein Zentrum für Fischerei und Milchwirtschaft. Auf jeden Fall gelohnt hat sich der Besuch der zweigeschossigen Holzkirche, einer Art Wahrzeichen der Stadt. Gegen 18:30 Uhr kehrten wir wieder zum Mývatn-See zurück.

Das Wetter war den ganzen Tag über “beschissen” (Tagebucheintrag); es herrschte Dauerregen mit kurzen Unterbrechungen bis 18:00 Uhr — oder wie es unsere “Guide” (nett, gutaussehend, Sommersprossen) ausdrückte: “This is the Icelandic summer.”

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