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Mittwoch, 14.08.1996

An diesem Tag stand die Mývatn-Tour, eine geführte Busrundfahrt zu interessanten Naturerscheinungen rund um den “Mückensee”, auf dem Programm.

Unser erstes Ziel war das Krafla-Gebiet, eines der aktivsten Vulkangebiete Islands. Hier finden wir den Explosionskrater Víti (“Hölle”) der am 17. Mai 1724 durch einen einzigen explosiven vulkanischen Ausbruch entstanden ist. Der Durchmesser des Kraters beträgt ungefähr 300 m. Gleich daneben findet man einen kleineren Kratersee mit sonderbar grünlich gefärbtem Wasser, sowie graugefärbte Schlammquellen, sogenannte Solfataren, aus denen schwefelhaltige Dämpfe aufsteigen. Wenn man direkt neben den Quellen steht, ist der Schwefelgestank kaum auszuhalten. Unbedingt gemieden werden müssen die Stellen, an denen der Boden eine graue oder weiße Farbe aufweist: Die Kruste über dem kochendheißen Wasser kann hier sehr dünn sein und ein Bad im 100 °C heißen Wasser ist wohl nicht jedermanns Sache.

Ebenfalls direkt im Krafla-Gebiet liegt ein Geothermal-Kraftwerk mit einer Leistung von 5 MW. Ursprünglich sollte das Kraftwerk noch deutlich mehr elektrischen Strom liefern (55 MW), doch ein Vulkanausbruch im Jahr 1975, unmittelbar nach Fertigstellung der Anlage, zerstörte einen Teil der Bohrlöcher und die geänderte chemische Zusammensetzung des Dampfes ließ die Leitungen teilweise korrodieren. Die schwarzen Lavaströme der Vulkanausbrüche von 1975 bis 1984 zeichnen sich deutlich vom schwefelhaltigen, gelbbraunen Boden in diesem Gebiet ab.

Unser nächstes Ziel ist das bekannteste Solfatarengebiet Islands: Hverárönd. Der Anblick der brodelnden und blubbernden Schlamm- und Dampfquellen sowie der bereits erwähnte Schwefelgestank — der laut unserer Reiseführerin auch noch gesund sein soll (?) — bleibt unvergessen.

Die Spalte zur Grjótagjá, nur wenige Kilometer von Hverarönd entfernt, verdeutlicht eindrucksvoll die Theorie des Kontinentaldrifts: Island liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken, der “Rissnaht”, an der sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte mit einer Geschwindigkeit von ca. 2 cm pro Jahr allmählich voneinander wegbewegen. An dieser Stelle kann man sich wirklich einbilden, mit einem Bein in Europa und mit dem anderen in Amerika zu stehen. Tatsächlich lässt sich die Plattengrenze nicht so exakt lokalisieren. Unterhalb der Spalte befinden sich Warmwasserkammern, in denen die Isländer früher gern (nackt) badeten. Infolge eines Vulkanausbruchs ist jedoch die Wassertemperatur stark angestiegen, so dass ein Baden in der Höhle momentan (leider) nicht möglich ist.

Zum Abschluss besichtigten wir die Lavaformationen des Dimmuborgir. Zähflüssige Lava wurde hier gestaut und türmte sich zu bizarren Formen auf, in denen die Isländer früherer Jahrhunderte zu Stein erstarrte Riesen sahen.

Das Wetter: Vormittags dicht bewölkt, nachmittags klar, abends wechselnd bewölkt und kalt (5 °C um 0:00 Uhr).

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